In vielen Unternehmen gilt Unternehmenskultur als entscheidender Erfolgsfaktor.
Erfolgreiche Unternehmen scheinen das zu bestätigen.
Wer sie besucht, spürt die besondere Atmosphäre und kommt schnell zu dem Schluss: Diese Kultur ist der Grund für den Erfolg.
Die Konsequenz:
Kultur soll entwickelt werden. Oft mit externer Unterstützung, strukturiert, geplant, begleitet.
Die bittere Wahrheit:
Kulturentwicklungsprojekte scheitern. Immer.
Kulturentwicklung ist ein unlösbares Problem – weil es keines ist.
Der Denkfehler liegt in der Verwechslung von Ursache und Wirkung.
Erfolg und Kultur treten gemeinsam auf. Daraus wird fälschlicherweise geschlossen, dass die Kultur den Erfolg erzeugt.
Tatsächlich ist es umgekehrt. Kultur ist wie ein Schatten. Sie folgt dem, was ist.
Ändern sich die Verhältnisse, ändert sich auch die Kultur.
Erfolg oder Misserfolg prägen, wie gedacht, entschieden und gehandelt wird – und genau daraus entsteht Kultur.
Warum wird trotzdem versucht, Kultur zu entwickeln?
Weil der Blick auf die falsche Ebene gerichtet ist.
Auf der Vorderbühne zeigt sich die Verhaltenskultur:
der Umgang mit Zielen, Prozessen, Kunden, Vorgesetzten.
Dieses Verhalten lässt sich steuern – durch Argumente, Anweisungen, Belohnung oder Druck.
Auf der Hinterbühne wirken die Werte:
Vertrauen, Misstrauen, Angst, Zuversicht.
Sie entziehen sich jeder Steuerung.
Sie entstehen aus Erfahrung – nicht aus Vorgaben.
Wer versucht, Werte einzufordern, fordert Verhalten ein. Und Verhalten lässt sich anpassen.
Die Folge ist Anpassung nicht Überzeugung. Im Extremfall: Heuchelei.
Die Forderung, Vertrauen vorzuleben, erzeugt oft genau das Gegenteil: Misstrauen.
Kultur lässt sich nicht entwickeln. Sie lässt sich beobachten:
Krankenstand
Fehlerraten
Reklamationen
Flurfunk
Absicherungsmails
Gespräche in der Kaffeeküche
Zustand von Büros und Toiletten
Hier zeigt sich, was tatsächlich wirkt.
Nicht das, was formuliert wird.
Erfolg macht Kultur. Nicht umgekehrt.