In vielen Unternehmen wird Kultur über Leitbilder beschrieben.
Werte werden definiert, formuliert und kommuniziert.
Vertrauen, Respekt, Offenheit.
Die Erwartung:
Wenn klar ist, wofür das Unternehmen steht, wird es auch gelebt.
Doch genau das passiert nicht.
Der Denkfehler liegt in der Annahme, Kultur ließe sich über die Beschreibung von Werten gestalten.
Als müssten diese nur klar genug formuliert und eingefordert werden.
Tatsächlich besteht Unternehmenskultur aus zwei Ebenen.
Auf der Vorderbühne zeigt sich die Verhaltenskultur:
Prozesse
Regeln
Zielvereinbarungen
Meetings
Hier ist sichtbar, wie gearbeitet wird.
Dieses Verhalten lässt sich steuern – durch Argumente, Anreize oder Druck.
Auf der Hinterbühne wirkt die Wertekultur:
Vertrauen oder Misstrauen
Zuversicht oder Angst
Ehrlichkeit oder Zurückhaltung
Haltung
Motivation
Dieser Teil ist nicht sichtbar, aber spürbar.
Er zeigt sich nicht in Formulierungen, sondern in Wirkung.
Werte lassen sich nicht vorgeben.
Sie lassen sich nicht einfordern.
Sie lassen sich nicht verändern, indem man sie beschreibt.
Wer Werte vorgibt, fordert Verhalten ein.
Und Verhalten lässt sich anpassen.
Menschen können sich regelkonform verhalten und gleichzeitig etwas anderes denken.
Sie können zustimmen, ohne überzeugt zu sein.
Sie können Offenheit zeigen – trotzdem Misstrauen empfinden.
Sie können „Gelb" sagen und weiterhin „Blau“ meinen.
Die Vorderbühne funktioniert.
Die Hinterbühne wirkt.
Leitbilder verändern keine Kultur. Sie erzeugen Anpassung.
Kultur entsteht nicht durch das, was formuliert wird.
Sie entsteht durch das, was wir uns durch Führung eingehandelt haben.
Organisationen haben keine Werte, die sie definieren müssen.
Sie haben Werte, die wirken.