In vielen Unternehmen wird Vertrauen wie ein Projekt behandelt.
Es soll aufgebaut, gestärkt und gezielt entwickelt werden.
Dafür werden Workshops organisiert, Formate eingeführt und Maßnahmen definiert.
Der Anspruch: Vertrauen entsteht, wenn man sich ausreichend darum kümmert.
Das ist ein Irrtum.
Vertrauen lässt sich nicht aufbauen.
Wer behauptet, es sei möglich, unterstellt, dass Vertrauen gezielt hergestellt werden kann.
Das würde bedeuten, es ließe sich erzeugen – und damit auch steuern.
Das macht den Gedanken problematisch. Denn ein steuerbares Vertrauen wäre nichts anderes als Manipulation.
Im Alltag zeigt sich, wie wenig dieser Ansatz trägt:
Zusagen werden gemacht und nicht eingehalten
Offenheit wird eingefordert, aber nicht ausgehalten
Fehler sollen angesprochen werden und werden später doch sanktioniert
Verlässlichkeit wird erwartet, aber nicht gegeben
Unter diesen Bedingungen entsteht kein Vertrauen.
Vertrauen ist keine Reaktion auf Maßnahmen.
Vertrauen ist eine Entscheidung.
Es bedeutet, sich auf eine Zusicherung zu verlassen, obwohl deren Erfüllung nicht garantiert ist.
Es ist immer eine Vorleistung.
Deshalb entzieht es sich jeder Steuerung.
Mitarbeitende, Kunden, Partner entscheiden selbst, ob sie vertrauen – oder nicht.
Diese Entscheidung lässt sich weder einfordern noch erzeugen.
Was Führung beeinflussen kann, ist nicht Vertrauen selbst, sondern die Erfahrung, auf deren Basis es entsteht:
konsistentes Verhalten
eingehaltene Zusagen
nachvollziehbare Entscheidungen
Vertrauen entsteht aus Erfahrung und richtet sich auf die Zukunft.
Führung bedeutet daher nicht, Vertrauen aufzubauen. Führung bedeutet, verlässlich zu handeln.
Alles andere ist der Versuch, etwas zu steuern, das sich nicht steuern lässt.