Schuldige gesucht

Schuldige gesucht

Björn Ole Neumann 2 Min. Lesezeit Führung

In vielen Unternehmen läuft es bei unerwünschten Ergebnissen immer gleich ab:
Es wird nach Schuldigen gesucht.

Wer hat die Entscheidung getroffen?
Wer hat den Fehler gemacht?
Wer hat nicht aufgepasst?

Die Erwartung:
Wenn klar ist, wer schuld ist, ist das Problem gelöst.

Doch genau das passiert nicht.
Der Alltag liefert ein anderes Bild:

Ein Projekt scheitert – der Projektleiter wird ausgetauscht. Das nächste Projekt scheitert ähnlich.
Ein Kunde beschwert sich – die Vertrieblerin wird kritisiert. Die Reklamationen bleiben.
Die Lieferung verspätet sich – der Logistiker wird verantwortlich gemacht. Die Verspätungen häufen sich.
Zahlen werden verfehlt – der Head of Sales wird infrage gestellt. Die Ursachen bleiben bestehen.

Das Muster wiederholt sich.
Der Denkfehler liegt in der Annahme, Probleme hätten EINE klare Ursache – und diese ließe sich EINER Person zuordnen.
Doch in der Praxis entstehen unerwünschte Ergebnisse selten durch Einzelne.

Sie entstehen durch Zusammenspiel:

  • durch unklare Ziele

  • durch Überraschungen

  • durch widersprüchliche Erwartungen

  • durch fehlende Entscheidungen

  • durch Rahmenbedingungen, die bestimmtes Verhalten begünstigen

Wer Schuldige sucht, vereinfacht.
Und übersieht genau das, was verstanden werden müsste.
 

Schuldzuweisung beendet die Analyse.
Verstehen beginnt mit einer anderen Frage:
Welche Bedingungen haben zu diesem Ergebnis geführt?

Solange Schuldige gebraucht werden, um eine Situation zu erklären, bleibt sie unvollständig verstanden.
Und was nicht verstanden ist, wiederholt sich.

Symptome und Ursachen werden verwechselt.
Fieber ist niemals die Krankheit, deren Heilung es begleitet.

Führung bedeutet nicht, Schuld zu klären.
Führung bedeutet, Muster zu erkennen.